Thursday, April 11, 2013

Zwischen Herd und Büro- bin ich gut genug?

Seit Wochen habe ich die Tage gezählt. Habe schon Anfang des Jahres den Urlaub so geplant, dass ich zum Ende hin immer wieder mal eine Woche Urlaub habe, dann nur kurz ins Büro gehe, um dann wieder Urlaub zu machen. Auf diese Art wollte ich mir die Zeit versüßen und verkürzen. Jetzt ist der letzte Tag zum Greifen nah. Der Countdown zum Mutterschutz läuft.

Und ich? Bin hin und her gerissen.

Auf der einen Seite die pure Freude! Freiheit! Sechs Wochen lang jeden Vormittag frei. Ich werde jeden Tag mit Zeitung und Käffchen beginnen, dann eine Runde bei Facebook gucken, was Ihr so macht. Ich werde endlich Zeit zum Bloggen haben soviel ich will. Ich kann die Hochzeit meiner Schwester vorbereiten, Babyshoppen, Friendskeeping und alles, was mir sonst noch so Spaß macht.

Aber andererseits...Wehmut!

Ich mag meinen Job. Ich mag meine Kollegen, ich mag das Unternehmen. Ich bin gerne berufstätig.

Der ein oder andere mag das albern finden, aber ich denke gerade daran, dass das meine letzten Tage in Highheels sind. Nachmittags und am Wochenende laufe ich ja normalerweise in Jeans und Turnschuhen rum. Aber ich schmeiße mich gerne fürs Büro in mein Juristinnen-Business Outfit. Gerade seit ich Mutter bin. Das ist wie eine andere Haut. Eine Haut ohne Rotz- oder Zahnpastaflecken eines Kleinkindes. Die Haut einer berufstätigen Frau- ein Stück altes Ich.
Ich werde das vermissen.

Es ist aber noch etwas anderes, das mich gerade beschäftigt. Es ist ein ganz neues Gefühl, ein Unwohlsein, das ich noch nicht kannte: Ich habe Angst davor, Hausfrau zu sein.

Als ich das erste Mal in Elternzeit ging, wußte ich nicht, was als Mutter auf mich zukommt. Ich dachte mir, wenn das Kind abgestillt ist, kann ich ja wieder arbeiten. Ich plante sechs Monate Elternzeit. Dann kam der Sohn. Ich war müde, erschöpft ausgelaugt und - verliebt. Huch, man kann ja gar nicht normal weiterleben...
Zum Glück konnte ich die Elternzeit nachträglich um immerhin drei Monate verlängern. 

Dieses Mal habe ich anstrengende Zeiten hinter mir. Kind und Büro unter einen Hut zu bringen, hat mich oft viel Kraft gekostet. Selbstverwirklichung? Auf jeden Fall! Aber auch Unmengen an Streß und Unzufriedenheit. Deshalb freue ich mich dieses Mal auf eine etwas längere Auszeit.

Aber da ist dieser kleine Mann, der regen Anteil am Leben seiner Eltern nimmt. Er hat längst festgestellt, dass die Eltern Urlaub haben, wenn Mama Turnschuhe und Papa kein Hemd trägt. Dann sagt er: "Ihr geht heute niß ahbeiten und iß geh niß in die Kita!" Er nennt meine Highheels "Arbeitsschuhe". Er erzählt in der Kita: "Meine Mama is ahbeiten!"

Bald arbeitet Mama nicht mehr. Das findet Ihr jetzt vielleicht noch alberner, als dass ich mein Outfit vermissen werde, aber ich habe irgendwie das Gefühl, ich bin eine bessere Mama, wenn ich arbeiten gehe. Ein besseres Vorbild. Ich vermittele ihm doch ein besseres Frauenbild, wenn ich arbeite.

Vermutlich ist das ein blöder Gedanke, denn meine Söhne brauchen mich schließlich zu Hause und nicht im Büro. Aber es ist eben so ein Gefühl. Weil der Sohn mich ja als arbeitende Mutter kennt. Er wird die Veränderung mitbekommen. Er wird merken, dass nur noch der Papa arbeitet. Papa ist ja sowieso der Superheld. Ich fühle mich, als könnte ich mit dem Superhelden in den Augen des Sohnes dann noch weniger mithalten. Ich wünsche mir aber, dass der Sohn uns als Eltern gleichberechtigt wahrnimmt. Beide schnallen sich morgens die Arbeitsschuhe um und gehen ins Büro, beide arbeiten im Haushalt mit und beide spielen mit ihm. Mir ist unbehaglich bei dem Gedanken, dass es demnächst in der Wahrnehmung des Sohnes eine neue Rollentrennung gibt.

Und das alles vor dem Hintergrund, dass die Aufgaben, die mich zu Hause als zweifache Mutter erwarten, das bißchen Juristerei am Schreibtisch als Ponyhof erscheinen lassen. Aber der 24/7 Job als Mutter ist leider nicht annähernd so glamourös, wie der einer Juristin.

Es ist wieder dieser Druck, den wir uns als Mütter gerne selber machen. Seit der Geburt des Sohnes habe ich immer wieder mal das Gefühl gehabt, ich kann es einfach nicht allen so recht machen, wie ich gerne würde. Jetzt erreiche ich eine neue Form von schlechtem Gewissen meinem Sohn gegenüber. Bin ich gut genug? 
Und wenn ich eines Tages wieder arbeiten gehe, wird er mir das am Ende vielleicht auch übel nehmen, denn dann gehört Mama in seiner Vorstellung längst nach Hause...

Ich würde mich nicht wundern, wenn diese Gedanken in dem Moment enden, in dem ich zum letzten Mal das Büro verlasse- allerspätestens, wenn Nr. 2 da ist. 
Bis dahin stöckele ich aber noch ein bißchen grübelnd durch die Gegend...

Eure Mia


mariasimoneidejhs

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