Tuesday, April 30, 2013

Rette zuerst unser Kind, Mann! Wie Kinder unsere Ehen verändern

Gerade habe ich bei Stadt-Land-Mama kurz mal reingelesen und musste über den aktuellen Post ein bißchen schmunzeln. Erst wollte ich den beiden nur kurz einen Kommentar hinterlassen, aber dann dachte ich mir, das muss ich doch lieber verbloggen.

Caro wollte eigentlich nur eine harmlose Frage stellen und erhielt eine erstmal verwirrende Antwort. "Du würdest mich doch mitnehmen, wenn Du nur einen Menschen mitnehmen könntest und ALLE ANDEREN zurücklassen müsstest, oder?"

Die Antwort ihres Mannes, dass er den gemeinsamen Sohn mitnehmen würde, schockt Caro erstmal, obwohl sie zugeben muss, dass sie es genauso machen würde.

Schmunzeln musste ich, weil mein Mann und ich fast genau dasselbe Gespräch auch schon geführt haben- nur genau umgekehrt.

Es fing ebenfalls mit einer harmlosen und eigentlich sehr süßen Liebeserklärung vom Gatten an, der mir versicherte, solange wir beide uns hätten, wäre alles gut, aber mir dürfte niemals etwas passieren und ich müsste immer gut auf mich aufpassen.

Ich antwortete darauf, dass es ja wohl schlimmer wäre, wenn dem Sohn etwas passiert. Der Gatte aber meinte: "Aber Du bist doch meine Frau, wie soll ich denn ohne Dich leben?"

Das hat mich natürlich gerührt, zumal solche Liebeserklärungen nicht unbedingt zum Standardrepertoire meines Mannes gehören, aber ich war genauso schockiert, wie Caro es gewesen sein muss- nur eben umgekehrt.

Ich sah meinen Mann an und sagte mit ganz viel Nachdruck: "Nur, damit wir uns einig sind: Wenn wir irgendwann mal in eine Situation kommen, in der Du uns retten musst, dann rettest Du zuerst den Sohn! Klar? Wenn unser Haus brennt, oder wir aus einem brennenden Auto fliehen müssen, wenn wir zu ertrinken drohen oder was auch immer, dann rette! unser! Kind!!"

Ähnlich wie Caro, hat mich das damals auch ganz schön ins Grübeln gebracht. Bei aller Liebe zu meinem wunderbaren Mann- ich würde mich immer nur zuerst um mein Kind kümmern. Und ich bin nicht schockiert, wenn er das auch so sieht, sondern ich erwarte das von ihm.

Entscheidend ist ja, was eigentlich hinter so einer Frage steckt. Ich hatte in diesem Artikel mal die Frage gestellt, ob man alle seiner Kinder gleichviel lieben kann, und war eigentlich zu dem Schluß gekommen, dass echte Liebe als Gefühl nicht limitiert ist, sondern wer in der Lage ist, wirklich zu lieben, also nicht nur sich selbst,  auch mehrere Menschen richtig lieben kann, ohne einer anderen Liebe dafür etwas wegnehmen zu müssen. In diesem Artikel habe ich mich allerdings nicht gefragt, was passiert, wenn man sich für eine Person entscheiden muss.

Normalerweise muss man das ja zum Glück nicht und so lässt sich die Frage, wen man mehr liebt doch einfach beantworten, denn man liebt ja weder den Sohn noch den Mann "mehr" sondern eben nur jeden "anders".

Hin und wieder gibt es aber leider doch auch echte Entscheidungssituationen. Bei der Geburt unseres Sohnes könnte es ja zu Komplikationen kommen und mein Mann plötzlich entscheiden müssen, ob das Kind oder die Mutter zu retten ist, oder wer zuerst. Dann gibt es plötzlich doch nicht mehr nur verschiedene Arten von echter Liebe, sondern dann muss doch eine Reihung vorgenommen werden. Wer steht dann ganz oben auf der Liste?

Als wir geheiratet haben, war natürlich mein Mann der wichtigste und meistgeliebe Mensch auf der Welt für mich. Jetzt gibt es den Sohn und bald sogar zwei Söhne. Ist mein Mann jetzt zwei Plätze nach unten gerutscht? Und ich bei ihm auch? Wir fühlen uns durch unsere 1,5 Söhne so bereichert, aber sind wir tatsächlich vielleicht sogar ärmer als zuvor, weil wir für niemanden mehr der wichtigste Mensch auf der Welt sind? Weil niemand uns zuerst rettet?

Wenn Kinder in eine Beziehung kommen, dann wird es turbulent. Rollen müssen neu gefunden werden, Aufgaben verteilt, Erwartungen enttäuscht werden. Verständlich, dass viele Beziehungen an dieser enormen Umstellungsleistung auch scheitern.  Das Gefühl, das viele dabei umtreibt, dass man nicht mehr im Mittelpunkt des Partners steht, ist mehr als ein Gefühl. Das ist tatsächlich so.
Der Partner ist immer noch die große Liebe, aber eine noch viel größere Liebe gehört unseren Kindern. Anders. Aber größer.

Ist das schlimm? Ich sage nein. Unsere Beziehung hat sich verändert, aber wir sind nicht schlechter dran als vorher. Unsere Beziehung ist ja auch um einen großartigen Aspekt erweitert worden. Gemeinsam als Eltern seine Kinder zu lieben und ins Leben zu begleiten, scheint mir die größte Bereicherung, die meine Ehe erfahren kann. Ich liebe meinen Mann jetzt noch mehr als vor ein paar Jahren.

Mein Mann hat es allerdings etwas besser als ich. Der ist nämlich für den Sohn der wichtigste Mensch auf der Welt. Heute Morgen durfte ich ihm nichtmal die Haare kämmen: "Der Papa macht das viel schöner!" Hat der bislang noch nicht ein einziges Mal gemacht, aber gut...

Zum Glück kann ich auf mich selber aufpassen. Ich kann schwimmen und ziemlich schnell laufen- ich komm schon klar.

Eure Mia





mariasimoneidejhs