Thursday, May 9, 2013

Wie aus meinem Chef ein Vater wurde

Wir wurden einander bei einem Mitagessen vorgestellt. Ich war Referendarin in der Personalabteilung, er war Teamleiter bei den Arbeitsrechtlern. Er mochte mich auf den ersten Blick nicht besonders und meinte, der Kollege der mich angeschleppt hatte, sei in mich verknallt und deshalb müsse er mir jetzt einen Praktikumsplatz anbieten, was er auch brav tat.

Ich war noch so jung und unerfahren, erst Mitte zwanzig, und fand diesen neun Jahre älteren Mann, der immer so souverän, freundlich, hilfsbereit, kompetent war und dann auch noch so gut roch einfach faszinierend.

Von unserem ersten Mittagessen bis zu unserem ersten Kuss verging ein dreiviertel Jahr. Erst haben wir es geheim gehalten, aber als schließlich schon der Betriebsrat das Gerücht verkündete, haben wir es auch unseren Chefs (ich war inzwischen in einer anderen Einheit fest angstellt) erzählt.

Wir hatten nie die gleichen Pläne für unser Leben. Ich wollte immer heiraten und Kinder haben. Er hatte sich darüber nie ernsthafte Gedanken gemacht und war von meiner Zielstrebigkeit oft überfordert. Gedrängt habe ich ihn nie. Zu nichts. Aber er wußte immer, was ich wollte. 

Und dann ist er aufgesprungen auf meinen Zug. Wir haben geheiratet und einen Sohn bekommen. 

Die ersten Wochen als Familie waren hart und ich glaube er hat oft heimlich in Richtung seines Junggesellenlebens geschielt. Er hat das aber vom ersten Tag an super gemacht.

Der Sohn war fünf Monate alt und wir in unserem ersten Urlaub am Meer, als die beiden einander so richtig entdeckten. Seit diesem Urlaub sind die beiden ein Herz und eine Seele. Manchmal, wenn ich die beiden beobachte, kann ich kaum glauben, wie anders unser Leben geworden ist, und wie sehr sich vor allem mein ehemaliger Chef verändert hat.

Es scheint, als sei die Rolle als Vater und Ehemann wie für ihn gemacht. Er hat 14 Stunden Arbeitstage, aber er kommt mindestens zweimal in der Woche so früh nach Hause, dass er noch mit dem Sohn spieeln kann und fährt nochmal ins Büro, wenn der Sohn im Bett ist. Er bringt ihn jeden morgen in die Kita, zieht ihn an und schmiert ihm Brote. Er spielt so geduldig und hingebungsvoll mit unserem Sohn, dass sogar Nachbarn ihn dafür loben. 

Wenn er abends nach Hause kommt, macht er all die Dinge, für die seine Frau zu chaotisch ist. Ich habe keine Ahnung von unseren Finanzen, Versicherungen, Klopapiervorräten. Ich sehe nicht, wenn das Bad schmutzig ist oder die Fenster geputzt werden müssen. Das alles macht mein Mann neben seinem hammerharten Managerjob. Er macht mein Auto sauber und bringt mir Frauenzeitschriften mit. Er macht mir einen Tee, wenn ich abends erschöpft auf dem Sofa liege.

Einen besseren Ehemann und Vater hätte ich nicht finden können.

Wir streiten uns auch oft, aber das ist gut so. Ich bin immer böse zu Männern gewesen. Er ist der erste, der mir richtig Paroli bieten kann. Der erste, der bei mir auch mal das letzte Wort hat. Der erste, der Dinge sagen kann, auf die mir kein schlauer Spruch mehr einfällt. Der erste, der mir nie langweilig werden wird.

Manchmal haben wir als Paar zwischen Sohn und Job viel zu wenig Zeit für uns. Deswegen freue ich mich so darauf, mit ihm zum zweiten Mal Eltern zu werden, weil das so ein großartiges Erlebnis für ein Paar ist. Ich hoffe, dass wir wenn es losgeht die Betreuung des Sohnes hinkriegen, und mein Mann bei der Geburt dabei sein kann und nicht auf den Sohn aufpassen muss. 

Ich freue mich darauf, mit ihm an meiner Seite noch einen Sohn zur Welt zu bringen. Mit ihm gemeinsam die Geburt zu erleben und ein neues, spannendes, wunderschönes Kapitel in unserer Geschichte als Paar und Familie aufzuschlagen und ihn als Papa von zwei Söhnen zu erleben.

Alles Liebe zum Vatertag.

Bloß schade, dass Du meinen Blog nie liest...


mariasimoneidejhs