Monday, June 18, 2012

Mama für Deutschland!

Zum Glück bin ich gerade in Phase 1. Da kann ich unbeschwert die Vorrundenspiele der EM verfolgen.
Unbeschwert? Ach nee- da war ja noch wer. Public Viewing scheidet also schonmal aus. Aber zu Hause ist es ja auch schön!
Mit Kleinkind im Hause erfordert der Genuss eines Fernsehabends allerdings einiges an Vorbereitung.

Es gibt nämlich zwei Dinge, die kann man vor meinem Sohn nicht verbergen: Süßigkeiten und die Abendplanung seiner Eltern. Wenn Mama und Papa abends Gäste erwarten, spürt der Sohn das schon lange vorher. Dann bockt er rum und will nicht ins Bett. Als Mutter muss man daher eine Fähigkeit zur taktischen Planung an den Tag legen, die einen glatt zur Bundestrainerin qualifizieren würden. Um bei dem Vergleich zu bleiben: Hier die wichtigsten Regeln:

- Die Spieleraufstellung bleibt bis kurz vor dem Anpfiff geheim:
Auf keinen Fall dürfen Freunde via Telefon eingeladen werden. Hört der Sohn die Worte "Sarah" und "bis heute abend" in Kombination, kann er darauf gezielt reagieren: Das neue Puzzle, für das ich ihn schon seit Wochen vergeblich zu begeistern versuche, ist plötzlich doch soooo interessant- Hauptsache, er muss nicht ins Bett.

- Das Trainig (hier: die Vorbereitung) findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Das Bier unbedingt in einem unbeobachteten Moment aus dem Keller holen und in den Kühlschrank stellen. Sollte der Sohn einen dabei erwischen, hat man nur noch die Chance, ihn mit einer Scheibe Wurst abzulenken.

- Mentale Vorbereitung nicht vernachlässigen:
Ruhe bewahren und sich nichts anmekren lassen ist ganz, ganz wichtig! Der Sohn hat ein untrügliches Gespür für Abweichungen vom regelmäßigen Tagesablauf. Er steht ihnen offen entgegen und ist mit Freude jederzeit dabei.

Gestern beim Spiel gegen Dänemark habe ich diese Regeln erfolgreich angewendet. Um 20:00 war der Sohn im Bett. Geschafft.
Da klingelt es an der Haustür. Mist, ich hab ganz vergessen, in die Einladungs- e-Mails zu schreiben, dass sie bitte eine sms schicken sollen, wenn sie vor der Haustür stehen. Sofort meldet sich das Babyfon- zum Glück nur ganz kurz.

Die Stimmung im Wohnzimmer steigt. Wir stoßen an, die Spieler laufen auf den Platz. Die Nationalhymne ertönt und unsere Gäste singen mit. Und zwar ganz schön laut. Kann man ja schlecht verbieten. Mitten in die Schlussakkorde der Nationalhymne mischt sich übers Babyfon ein leises Wimmern, dann ein lautes Weinen. Sohn wach! Ich hab´s befürchtet! Mama geht mal kurz rauf.

Der arme kleine Mann ist total müde, aber die ungewohnten Geräusche haben ihn aus dem Schlaf gerissen. Ich lege ihm die Hand auf den Bauch und sofort beruhigt er sich wieder und schläft ein. Ich schleiche mich aus dem Zimmer. Als ich gerade die Tür hinter mir schließen will, tönt von unten kollektives Gebrüll. Sofort fängt der Sohn wieder an zu weinen. Mist!


Dieses Mal lässt er sich nicht so leicht beruhigen. Ich muss ihn aus dem Bettchen nehmen und eine Weile im Arm halten. Zwischendurch zuckt er immer wieder zusammen, weil von unten Gebrüll ertönt. Ich fühle mich wie eine Bundestrainerin, die das Spiel von der Kabine aus verfolgen muss.

Als ich endlich wieder im Wohnzimmer ankomme, steht es schon 1:1. Mama hat wieder das Beste verpasst.
Bis zum Spiel gegen Griechenland muss ich meine Taktik wohl noch etwas verfeinern!

Eure Mia.


mariasimoneidejhs