Thursday, November 22, 2012

Dich festhalten

"Iss mößt heute niß Kita dehn!", verkündet mein Sohn heute morgen. "Mößte Bett bleiben!" Gemeint ist natürlich das elterliche Bett. Und selbstverständlich müssen Papa und Mama auch im Bett bleiben.
Na gut, noch fünf Minuten. Fünf Minuten Kuscheln. Und fünf Minuten staunen über mein Kind.

Mein Sohn! Wo sind die letzten zwei Jahre eigentlich geblieben? Vor zwei Jahren waren wir noch andere Menschen. Wir waren gerade in den Vorbereitungen für Deine Gebeurt und hatten keine Ahnung, was auf uns zu kommt. Als Du endlich da warst, warst Du so winzig klein. Und Du konntest nichts. Nicht einmal alleine Dein Köpfchen halten. Du hast mich gebraucht. 24 Stunden am Tag.

Jetzt brauchst Du mich jeden Tag weniger. Du bist schon so groß! Warum geht das so schnell? Ich habe in den letzten zwei Jahren fast jeden Tag mit Dir verbracht. Anfangs auch jede Nacht. Ich habe Dich den ganzen Tag im Arm gehalten und nachts hast Du neben mir gelegen. Trotzdem kommt es mir manchmal so vor, als hätte ich etwas verpasst.

Ich habe jeden Tag und jede Minute genossen. Manchmal war es hart, aber ich war immer glücklich. Ich war mir meines Glückes sogar bewußt. Ich hätte es nicht mehr genießen können. Trotzdem habe ich das Gefühl, die Zeit rinnt mir durch die Finger.

Dann möchte ich Dich festhalten. Als könnte ich damit den Moment festhalten, die Zeit anhalten. Aber genausowenig wie ich die Zeit anhalten kann, kann ich Dich festhalten. Eine kurze Umarmung, und dann bist Du auch schon wieder weg. Festhalten kann ich Dich nur noch, wenn Du in meinem Arm einschläfst, oder wenn Du krank bist. Dann gehörst Du wieder ganz mir.

Im Zeitraffer wirst Du groß. Du lernst jeden Tag so viele neue Dinge. So schnell muss ich mich von meinem Baby verabschieden?

Am liebsten würde ich jetzt auch den ganzen Tag im Bett bleiben. Aber die fünf Minuten sind um. Ab in die Kita!

Wenig später verschwindet er mit meinem Mann aus der Haustür und winkt mir strahlend mit seiner Kindergartentasche in der Hand nach. Wenn ich ihn heute nachmittag aus der Kita abhole, hat er schon wieder ganz viel gelernt.

Eure Mia


mariasimoneidejhs

Wednesday, November 21, 2012

Adventskalender und so


Hallo - ich weiss ich weiss - es ist sehr ruhig hier. Das liegt aber nicht daran, dass ich nicht will, nein!
Ich schaffe es einfach nicht. Ich habe gerade mehrere Aufträge parallel laufen, dann stehen uns nächste Woche 2 Geburtstage und die Adventskalender ins Haus.
Zu allem Überfluss habe ich mich in einem schwachen Moment breit schlagen lassen, Elternvertreterin in Mia's  Klasse zu werden und da muss natürlich jetzt in der Vorweihnachtszeit auch so einiges vorbereitet werden...


Ich hatte Euch ja hier versprochen, Euch noch ein bisschen mehr von dem bei Butler's erworbenen Adventskalender zu zeigen.
Das mache ich heute. Ich verrate nicht, wer ihn bekommt - denn das ist eine Überraschung.


Befüllt ist er mit Süssigkeiten, die ich bei Galleria Kaufhof in der Süsswaren-Abteilung lose gekauft habe. Wie Ihr seht, habe ich dabei nicht nur auf den Geschmack, sondern auch auf eine einheitliche Farbgebung in Schwarz, Weiß und Gold geachtet. In einige Boxen habe ich Zettel mit schönen Zitaten gesteckt. 



Für meine Kinder werde ich wieder unsere altbewährten Kalender neu bestücken. Ich habe aber dieses Jahr bei Ikea kleine weisse Stoffsäckchen mit roten Zahlen drauf gekauft - das erspart das Einpacken in Papier.

Meine Freundin Pia hat auf ihrem nagelneuen Blog "Aufbrezeln" übrigens einen witzigen DIY-Adventskalender mit einem Download für superstylische Zahlenetiketten. Schaut mal dort vorbei!

Liebe Grüsse,
Imke




mariasimoneidejhs

Tuesday, November 20, 2012

Werkschau: Edgar Allan Poe Projekt (3)

Die dritte und leider vorerst letzte Geschichte von Eddie Poe, die wir fotografisch umgesetzt haben, heißt "Das verräterische Herz". Die Vorbereitungen waren reichlich blutig. Eine Freundin besorgte uns ein 2kg schweres Rinderherz. Außerdem vergossen wir reichlich Filmblut auf unseren schönen Holzdielen und waren beeindruckt, wie "schön verwirrt" unser Model Sarah in die Kamera schauen konnte. Hier habe ich auch ein paar Bilder vom Making of für Euch.


Das verräterische Herz
Der namenlos bleibende Protagonist hat einen alten Mann getötet, aber nicht etwa aus Hass oder aus Besitzgier. Auslöser des Verbrechens ist ausschließlich eine physische Besonderheit des Alten: Eines seiner Augen, blassblau, ist überzogen von einem dünnen Häutchen und ähnelt dem eines Geiers. Der Ich-Erzähler kann es nicht sehen, ohne von tödlichem Hass ergriffen zu werden.
Eine Woche schiebt er den endgültigen Entschluss vor sich her. In dieser Woche begegnet er dem Alten tagsüber mit besonderer Liebenswürdigkeit. Nachts aber, wenn er schläft, sucht der Ich-Erzähler ihn so leise und umsichtig auf, dass er nichts davon merkt. Dann öffnet er eine bis dahin verblendete Laterne einen Spalt breit und leuchtet ihm ins Gesicht. Weil das Auge geschlossen bleibt, kann er ihn jedoch nicht töten.
In der letzten Nacht verrät sich der Ich-Erzähler durch ein Geräusch. Der Alte schrickt hoch. Der lauernde Ich-Erzähler erstarrt zu völliger Stille in absoluter Dunkelheit. Aber er ahnt, dass der Alte seine Anwesenheit trotz völliger Stille und Dunkelheit fühlt. So belauern die beiden einander eine Stunde. Schließlich öffnet der Ich-Erzähler seine Blendlaterne einen Spalt breit. Das Licht fällt auf das verhasste Auge. Aber noch immer kann der Ich-Erzähler sich nicht zur Tat aufraffen. Das Herz des Alten fängt an zu pochen, und es pocht lauter und lauter. Da schreit der Ich-Erzähler auf, er hat Angst, die Nachbarn könnten das Pochen hören, und erstickt den Alten unter seinem Bettzeug, hört aber das Herz seines Opfers noch lange schlagen.
Er zerlegt den Leichnam, trennt den Kopf ab sowie Arme und Beine. Er reißt drei Dielen aus dem Boden des Zimmers, legt die Leichenteile in die Füllung und befestigt die Dielen so perfekt, dass das Versteck völlig unsichtbar ist. 
Im Ohr des Ich-Erzählers beginnt es zu rauschen. Das Rauschen steigert sich zum Pochen, zum immer lauteren Pochen, und der Ich-Erzähler ist überzeugt: Was da pocht, ist das Herz des Getöteten...

  


Wollt Ihr mehr von meinen Arbeiten sehen? Oder sogar mehr von Geschichten, die wir in Bildern erzählen? Eventuell sogar von Poe? Dann freue ich mich auf Eure Kommentare oder Nachrichten.



 

 

Fotos: Harald Sack
Making of: Jörg Waitelonis
Model: Sarah
H&M: ich



mariasimoneidejhs

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mariasimoneidejhs

Monday, November 19, 2012

Tipps für die Trotzphase

Liebe Leidensgenossen mit Kindern in der Trotzphase: Wenn ihr mal richtig lachen wollt über die Trotzphase, dann lest Euch den Artikel im Spiegel dazu durch.
Dort möchte man uns mit zwei ganz tollen Tipps die Auswirkungen der Trotzphase erleichtern. Ich muss sagen, ich hab mich weggelacht.
Tipp 1: Dem Kind einen Wutwinkel einrichten, in der es auf Kissen hauen kann oder ähnliches um sich abzureagieren. 
Tipp Nr. 2: das Kind seine Wut in einen Wuteimer brüllen lassen!
Wer denkt sich sowas aus? Wir reden doch hier von der Trotzphase. Dabei handelt es sich um Abgrenzungsbemühungen von den Eltern. Wo liegt der Sinn, wenn mein Kind sich dazu in einen Wutwinkel verkriecht und Mama von dem ganzen Spektakel gar nichts mitbekommt??
Sorry, lieber Spiegel, aber das ist bullshit (die Wortschöpfungen "Wutwinkel" und "Wuteimer" finde ich allerdings gelungen).
Leider muss ich an dieser Stelle alle, die gehofft haben, jetzt kommen noch richtig gute Tipps, enttäuschen. Ich bin absolut ahnungslos.
Neulich zum Beispiel wollte ich dem Sohn eine Freude machen und habe ihm auf dem nachhausewg von der Kita einen Keks versprochen. Er hat sich total auf den Keks gefreut, lief strahlend ins Haus und streckte in Erwatung schon seine Händchen aus. Weil es ein großer Keks war, habe ich ihn in zwei Teile gebrochen. An der Stelle war der Tag gelaufen. Der Sohn hat ein dramatisches Geschrei veranstaltet und wollte den Keks nicht mehr haben. Ich habe versucht ihm zu erklären, dass man den Keks trotzdem genießen kann. Keine Chance. Schließlich habe ich ihm einen neuen Keks gegeben, aber dazu war es dann schon zu spät, das konnte ihn auch nicht mehr trösten.
Mir fiel nichts mehr ein und vor lauter Verzweiflung habe ich ihm seinen Schnuller gegeben, den wir ihm eigentlich nur noch zum Schlafen geben. Extrem kontraproduktiv und erzieherisch unklug, aber ich war halt verzweifelt. Mit seinem geliebten "Schnulli hat er sich immerhin schluchzend ganz langsam wieder beruhigt.
Vielleicht hätte ich das Theater vermeiden können, wenn ich ihm gleich einen neuen Keks gegeben hätte. Aber so kommen wir ja nicht weiter, denn es geht schließlich darum, dass der Sohn lernt, dass er seinen eigenen Kopf auch mal unterordnen muss. So ist das in unserer Gesellschaft. Ich habe mal gelesen, dass die Trotzphase ein Phänomen der westlichen Welt ist. Klar, es gibt ja auch nirgendwo so viele Regeln, die dem kindlichen Willen Grenzen setzen. Afrikanische Kinder dagegen trotzen wohl kaum.

Es hilft uns allen nichts- durch die Trotzphase müssen wir durch, da verkündet auch der Spiegel Artikel keine neuen Erkenntnisse. Aber für den Fall dass es zu schlimm wird spiele ich gerade mit dem Gedanken, bei uns zu Hause vielleicht schonmal einen Wutwinkel für MICH einzurichten...
Eure Mia


mariasimoneidejhs

Sunday, November 18, 2012

Werkschau: Edgar Allan Poe Projekt (2)

Mystisch gehts heute weiter. Die zweite Geschichte von Edgar Allan Poe, die wir fotografisch in Szene gesetzt haben, heißt "Berenice". Im Studio eines Freundes haben wir eine kleine Gruft eingerichtet. Dafür habe ich tagelang Blätter zusammengesammelt und getrocknet. Das Ergebnis freut sicher auch Zahnärtze ;-).


Berenice
Der kränkelnde Ich-Erzähler Egeus wächst im Schloss seiner Vorfahren gemeinsam mit seiner Cousine, der anmutigen und lebhaften Berenice, auf. Nach einiger Zeit wird Berenice von einer epilepsieartigen Krankheit befallen, die ihren Körper schwächt, ihr Wesen entstellt und ihren Geist umnebelt. Auch Egeus sinkt in einen Zustand geistiger Umnachtung, in dem er sich stunden- und tagelang einzig auf banale Gegenstände oder einzelne gelesene Sätze konzentriert, in deren Betrachtung versinkt, um schließlich ab und an wieder aus diesem tranceartigen Zustand aufzutauchen und ein gewisses Maß an geistiger Klarheit zurückzugewinnen. Trotz des mysteriösen Siechtums beider Protagonisten spricht Egeus Berenice "in einer bösen Stunde" von Heirat.
"Der Tag, den wir für die Hochzeit festgesetzt hatten, nahte heran." 
Als Egeus in seinem Studierzimmer aufblickt, steht Berenice vor ihm und lächelt - Egeus ist gebannt vom Anblick ihrer pupillenlosen Augen, von den dünnen, zusammengeschrumpften Lippen, die strahlend-weiße Zähne entblößen, und fühlt sich danach über Tage und Nächte hinweg vom "weißen Gespenst ihrer Zähne" völlig beherrscht. Schließlich meldet ihm eine Dienerin, dass Berenice "nicht mehr sei", die Vorbereitungen zur Bestattung seien bereits beendet...

 

Dann betritt ein Diener "bleich wie ein dem Grabe Entstiegener" das Bibliothekszimmer. Während Egeus auf seinem Schreibtisch mit ihm unbegreiflichem Schrecken ein kleines, an sich wohlbekanntes Kästchen betrachtet, berichtet der Diener "von der Schändung des Grabes, von dem entstellten, aus den Leichentüchern gerissenen Körper, der noch stöhnte, noch pulsierte, noch lebte!" Er weist Egeus auf dessen mit Dreck und Blut verschmutzte Kleider und auf seine von Fingernägeln zerkratzten Hände hin. In Panik öffnet daraufhin Egeus das Kästchen, es entgleitet ihm, fällt zu Boden, springt auf, und es fallen zahnchirurgische Geräte sowie 32 elfenbeinweiße, kleine Gegenstände heraus - Berenices Zähne, wie nicht ausdrücklich gesagt, dem Leser aber ohne jeden Zweifel klar wird.


Fotos: Harald Sack
Model: Franzi
H&M: ich



mariasimoneidejhs

Saturday, November 17, 2012

Werkschau: Edgar Allan Poe Projekt (1)

Heute habe ich neben all der Produkttesterei mal was Anderes für Euch. In regelmäßigen Abständen zeige ich Euch ab sofort einfach mal wieder ein paar Arbeiten aus meiner Hand.
Passend zum derzeit herrschenden Novembergrau starte ich mit Fotos, die durch Geschichten von Edgar Alan Poe inspiriert sind und szenisch umgesetzt wurden.

Der Untergang des Hauses Usher
Aufgewühlt durch den dringlichen Brief des Jugendfreundes Roderick Usher reitet der namenlose Ich-Erzähler zu dessen Anwesen, dem Hause Usher, das durch seine gespenstische Umgebung, aus dem es sich erhebt, einen beunruhigenden und schreckenerregenden Eindruck erweckt. 
Dort trifft der Erzähler den nervlich stark überreizten, anscheinend an einer Geisteskrankheit leidenden Hausherrn, den letzten Spross eines degenerierten Adelsgeschlechtes. Roderick Usher bittet seinen Besucher, ihm einige Zeit Gesellschaft zu leisten, um seine Krankheit erträglicher zu machen. Kurz darauf stirbt angeblich die Zwillingsschwester des Gastgebers, Lady Madeline, und wird im Keller des Hauses aufgebahrt und begraben.
Während einer Sturmnacht einige Tage später liest der Ich-Erzähler dem nervlich stark angegriffenen und ebenfalls schlaflosen Roderick eine vermeintlich aufheiternde Rittergeschichte vor, die letztlich aber das Grauen vor den unheimlichen Geräuschen im Haus nur potenziert. Durch den Verlauf der Rittergeschichte und die sie begleitenden Geräusche sowie das darauf folgende Geständnis Rodericks wird es offensichtlich, dass Roderick seine Schwester lebendig begraben haben muss. Plötzlich steht Lady Madeline blutüberströmt in der Tür; sie wirft sich sterbend auf den Bruder, welcher an dem Schock sofort stirbt.

Fotos: Harald Sack
Model: Juliane
Haare&Make: ich

 






mariasimoneidejhs