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Tuesday, November 20, 2012

Werkschau: Edgar Allan Poe Projekt (3)

Die dritte und leider vorerst letzte Geschichte von Eddie Poe, die wir fotografisch umgesetzt haben, heißt "Das verräterische Herz". Die Vorbereitungen waren reichlich blutig. Eine Freundin besorgte uns ein 2kg schweres Rinderherz. Außerdem vergossen wir reichlich Filmblut auf unseren schönen Holzdielen und waren beeindruckt, wie "schön verwirrt" unser Model Sarah in die Kamera schauen konnte. Hier habe ich auch ein paar Bilder vom Making of für Euch.


Das verräterische Herz
Der namenlos bleibende Protagonist hat einen alten Mann getötet, aber nicht etwa aus Hass oder aus Besitzgier. Auslöser des Verbrechens ist ausschließlich eine physische Besonderheit des Alten: Eines seiner Augen, blassblau, ist überzogen von einem dünnen Häutchen und ähnelt dem eines Geiers. Der Ich-Erzähler kann es nicht sehen, ohne von tödlichem Hass ergriffen zu werden.
Eine Woche schiebt er den endgültigen Entschluss vor sich her. In dieser Woche begegnet er dem Alten tagsüber mit besonderer Liebenswürdigkeit. Nachts aber, wenn er schläft, sucht der Ich-Erzähler ihn so leise und umsichtig auf, dass er nichts davon merkt. Dann öffnet er eine bis dahin verblendete Laterne einen Spalt breit und leuchtet ihm ins Gesicht. Weil das Auge geschlossen bleibt, kann er ihn jedoch nicht töten.
In der letzten Nacht verrät sich der Ich-Erzähler durch ein Geräusch. Der Alte schrickt hoch. Der lauernde Ich-Erzähler erstarrt zu völliger Stille in absoluter Dunkelheit. Aber er ahnt, dass der Alte seine Anwesenheit trotz völliger Stille und Dunkelheit fühlt. So belauern die beiden einander eine Stunde. Schließlich öffnet der Ich-Erzähler seine Blendlaterne einen Spalt breit. Das Licht fällt auf das verhasste Auge. Aber noch immer kann der Ich-Erzähler sich nicht zur Tat aufraffen. Das Herz des Alten fängt an zu pochen, und es pocht lauter und lauter. Da schreit der Ich-Erzähler auf, er hat Angst, die Nachbarn könnten das Pochen hören, und erstickt den Alten unter seinem Bettzeug, hört aber das Herz seines Opfers noch lange schlagen.
Er zerlegt den Leichnam, trennt den Kopf ab sowie Arme und Beine. Er reißt drei Dielen aus dem Boden des Zimmers, legt die Leichenteile in die Füllung und befestigt die Dielen so perfekt, dass das Versteck völlig unsichtbar ist. 
Im Ohr des Ich-Erzählers beginnt es zu rauschen. Das Rauschen steigert sich zum Pochen, zum immer lauteren Pochen, und der Ich-Erzähler ist überzeugt: Was da pocht, ist das Herz des Getöteten...

  


Wollt Ihr mehr von meinen Arbeiten sehen? Oder sogar mehr von Geschichten, die wir in Bildern erzählen? Eventuell sogar von Poe? Dann freue ich mich auf Eure Kommentare oder Nachrichten.



 

 

Fotos: Harald Sack
Making of: Jörg Waitelonis
Model: Sarah
H&M: ich



mariasimoneidejhs

Sunday, November 18, 2012

Werkschau: Edgar Allan Poe Projekt (2)

Mystisch gehts heute weiter. Die zweite Geschichte von Edgar Allan Poe, die wir fotografisch in Szene gesetzt haben, heißt "Berenice". Im Studio eines Freundes haben wir eine kleine Gruft eingerichtet. Dafür habe ich tagelang Blätter zusammengesammelt und getrocknet. Das Ergebnis freut sicher auch Zahnärtze ;-).


Berenice
Der kränkelnde Ich-Erzähler Egeus wächst im Schloss seiner Vorfahren gemeinsam mit seiner Cousine, der anmutigen und lebhaften Berenice, auf. Nach einiger Zeit wird Berenice von einer epilepsieartigen Krankheit befallen, die ihren Körper schwächt, ihr Wesen entstellt und ihren Geist umnebelt. Auch Egeus sinkt in einen Zustand geistiger Umnachtung, in dem er sich stunden- und tagelang einzig auf banale Gegenstände oder einzelne gelesene Sätze konzentriert, in deren Betrachtung versinkt, um schließlich ab und an wieder aus diesem tranceartigen Zustand aufzutauchen und ein gewisses Maß an geistiger Klarheit zurückzugewinnen. Trotz des mysteriösen Siechtums beider Protagonisten spricht Egeus Berenice "in einer bösen Stunde" von Heirat.
"Der Tag, den wir für die Hochzeit festgesetzt hatten, nahte heran." 
Als Egeus in seinem Studierzimmer aufblickt, steht Berenice vor ihm und lächelt - Egeus ist gebannt vom Anblick ihrer pupillenlosen Augen, von den dünnen, zusammengeschrumpften Lippen, die strahlend-weiße Zähne entblößen, und fühlt sich danach über Tage und Nächte hinweg vom "weißen Gespenst ihrer Zähne" völlig beherrscht. Schließlich meldet ihm eine Dienerin, dass Berenice "nicht mehr sei", die Vorbereitungen zur Bestattung seien bereits beendet...

 

Dann betritt ein Diener "bleich wie ein dem Grabe Entstiegener" das Bibliothekszimmer. Während Egeus auf seinem Schreibtisch mit ihm unbegreiflichem Schrecken ein kleines, an sich wohlbekanntes Kästchen betrachtet, berichtet der Diener "von der Schändung des Grabes, von dem entstellten, aus den Leichentüchern gerissenen Körper, der noch stöhnte, noch pulsierte, noch lebte!" Er weist Egeus auf dessen mit Dreck und Blut verschmutzte Kleider und auf seine von Fingernägeln zerkratzten Hände hin. In Panik öffnet daraufhin Egeus das Kästchen, es entgleitet ihm, fällt zu Boden, springt auf, und es fallen zahnchirurgische Geräte sowie 32 elfenbeinweiße, kleine Gegenstände heraus - Berenices Zähne, wie nicht ausdrücklich gesagt, dem Leser aber ohne jeden Zweifel klar wird.


Fotos: Harald Sack
Model: Franzi
H&M: ich



mariasimoneidejhs

Saturday, November 17, 2012

Werkschau: Edgar Allan Poe Projekt (1)

Heute habe ich neben all der Produkttesterei mal was Anderes für Euch. In regelmäßigen Abständen zeige ich Euch ab sofort einfach mal wieder ein paar Arbeiten aus meiner Hand.
Passend zum derzeit herrschenden Novembergrau starte ich mit Fotos, die durch Geschichten von Edgar Alan Poe inspiriert sind und szenisch umgesetzt wurden.

Der Untergang des Hauses Usher
Aufgewühlt durch den dringlichen Brief des Jugendfreundes Roderick Usher reitet der namenlose Ich-Erzähler zu dessen Anwesen, dem Hause Usher, das durch seine gespenstische Umgebung, aus dem es sich erhebt, einen beunruhigenden und schreckenerregenden Eindruck erweckt. 
Dort trifft der Erzähler den nervlich stark überreizten, anscheinend an einer Geisteskrankheit leidenden Hausherrn, den letzten Spross eines degenerierten Adelsgeschlechtes. Roderick Usher bittet seinen Besucher, ihm einige Zeit Gesellschaft zu leisten, um seine Krankheit erträglicher zu machen. Kurz darauf stirbt angeblich die Zwillingsschwester des Gastgebers, Lady Madeline, und wird im Keller des Hauses aufgebahrt und begraben.
Während einer Sturmnacht einige Tage später liest der Ich-Erzähler dem nervlich stark angegriffenen und ebenfalls schlaflosen Roderick eine vermeintlich aufheiternde Rittergeschichte vor, die letztlich aber das Grauen vor den unheimlichen Geräuschen im Haus nur potenziert. Durch den Verlauf der Rittergeschichte und die sie begleitenden Geräusche sowie das darauf folgende Geständnis Rodericks wird es offensichtlich, dass Roderick seine Schwester lebendig begraben haben muss. Plötzlich steht Lady Madeline blutüberströmt in der Tür; sie wirft sich sterbend auf den Bruder, welcher an dem Schock sofort stirbt.

Fotos: Harald Sack
Model: Juliane
Haare&Make: ich

 






mariasimoneidejhs