Monday, October 15, 2012

Das medienkompetente Kind?!


Am Wochenende wechseln mein Mann und ich uns mit dem Ausschlafen ab. Gestern war ich dran und es war herrlich. Ich habe bis 9:00 geschlafen.
Als ich ins Wohnzimmer runterkam, lagen meine beiden Männer  auf dem Sofa und schauten auf dem iPad fern. Seit 7:00 Uhr!!
In unserem Haus gibt es zwei iPhones, ein iPad, einen Rechner, einen Laptop, drei Telefone und einen Fernseher. Der Sohn kann sie alle bedienen. Es begann in seinen ersten Lebensmonaten damit, dass er mit Vorliebe technische Geräte in den Mund nahm. Mein iPhone zeigte dann immer die Meldung an: "Dieses Zubehör ist nicht für die Verwendung mit Ihrem iPhone zugelassen" und meinte mit "Zubehör" Spucke. Sämtliche Versuche, ihm alte, ausrangierte Telefone und Fernbedienungen zum Ablutschen zu geben, scheiterten kläglich. Er ließ sich nicht veräppeln!
Mit nunmehr fast zwei Jahren ist er in der Lage, den Fernseher anzuschalten, iPhone und iPad zu entsperren und sogar auf youtube seine geliebten Folgen Trotro auszuwählen.
Seine Eltern sind in diesem Punkt furchtbar inkonsequent. Was macht man schließlich an einem Sonntagmorgen um 7:00 Uhr, wenn selbst der Bäcker erst um 8:00 öffnet? Der Sohn ist unglaublich unternehmungslustig, mein Mann und ich sind noch nicht einmal wach genug um die Kaffemaschine zu bedienen. In solchen Momenten möchten wir den Machern des Kinderprogramms einen Nobelpreis verleihen.
In anderen Momenten werden wir uns plötzlich unseres Erziehungsauftrages bewußt. Fernsehen? Ein knapp Zweijähriger? Geht gar nicht.
Computerspiele sind aktuell noch kein Thema bei uns, aber wenn der Sohn so weiter macht, wird das auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wir werden uns also dringend entscheiden müssen, wie wir uns zu dem Thema aufstellen.
Immer wenn ich mein Kind fernsehen lasse (gilt auch für Kinder-Apps auf dem iPhone) habe ich sofort und automatisch ein schlechtes Gewissen. Fernsehen hat den Anstrich, etwas Schlechtes und Verbotenes zu sein. Aber stimmt das wirklich?
Kinder unter drei Jahren sollen nicht fernsehen. Dreijährige dürfen am Tag etwa 20 Minuten fernsehen.
So weit die gängigen Empfehlungen. In der Realität steht der Fernseher aber nunmal unübersehbar und verlockend in unserem Wohnzimmer und eine Folge Pipi Langstrumpf dauert schon 30 Minuten. 
Fernsehen ist passiv. Anstatt sich tolle Spiele einfallen zu lassen oder sich an der frischen Luft zu bewegen, hängt man schlaff vor der Glotze und lässt sich berieseln. Logisch, dass fernsehen somit nicht als besonders empfehlenswert für Kinder gilt, die sollen sich ja entwickeln und kreativ sein.
Ich bin absolut überzeugt davon, dass es für kleine Kinder kaum etwas Sinnvolleres gibt als Freispiel mit anderen Kindern. Mein Sohn hat dazu reichlich Gelegenheit und noch viel mehr: In der Kita gibt es Montags Musikstunde, Dienstags Turnen, Mittwochs Ausflugstag oder wahlweise Kochclub,  Donnerstag Vorleseclub und Freitags aktuelle Projektarbeit. Die Nachmittage mit Mama sind dagegen stinklangweilig, aber man muss ja auch lernen, wie man eine Waschmaschine bedient!  Der Kleine hat so unfassbar viel Input jedenTag, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass Fernsehen ihm irgendwie schaden oder in seiner Entwicklung bremsen könnte. Ich setze natürlich voraus, dass ich das Programm sorgfältig ausgesucht habe und er sich weder den Tatort noch Vampire Diarys ansieht.
Nebenbei bemerkt kann aus dieser kleinen passiven Pause durchaus wieder etwas Kreatives entstehen. Neulich hat der Sohn sonntags morgens eine Folge Bibi Blocksberg angesehen. Anschließend hat er sich seinen kleinen Kinderbesen geschnappt und ist "Hexhex" rufend auf seinem Besen durchs Haus geritten. Ein Kind, das immer nur alleine vorm Fernseher geparkt wird, kann das vermutlich nicht und so wird man bei der Bewertung der Frage, ob Fernsehen und Co ok sind oder nicht, immer auch nach den sonstigen Lebensumständen eines Kindes differenzieren müssen.


Ich gebe zu, ich bin ein Serien-Junkie. Aus mir ist trotzdem etwas geworden. Ich kann meinem Sohn das Fernsehen daher aus eigener Erfahrung guten Gewissens erlauben. Die Grenzen setze ich nach Gefühl. Am Sonntagmorgen mal ein bißchen mehr, meistens eher weniger und in der Regel an den meisten Tagen gar nicht. Und ich gebe auch zu: Manchmal will ich abends einfach nur in Ruhe die Küche aufräumen und lasse das Sandmännchen in der Zeit Babysitten.


Kinder können auch von Fersehen lernen, heißt es. Wenn die Eltern nämlich daneben sitzen und Erklärungen abgeben. Das ist wieder so eine seltsam weltfremde Idee. Ich will ja auch nicht, dass mein Mann beim Fernsehen dauernd dazwischen quatscht. Außerdem: das Kind sieht doch, was passiert. Soll ich ernsthaft daneben sitzen und sagen: "Guck mal, der Trotro, der hat einen Teddy!"? Tse, da könnten wir ja gleich ein Bilderbuch angucken! 
Eure Mia


Und Papa rockt? Der ist doch heute bestimmt meiner Meinung, oder? Hier nachlesen!


mariasimoneidejhs